Wie hast Du’s mit der Socke? – Die Gretchenfrage des Klettersports – mit oder lieber ohne

Kein Sport ist von solcher Leidenschaft geprägt wie das Klettern. Das beweist sich nicht nur in mentaler Hinsicht – sondern auch in Sachen Bekleidung. Regelmäßig entzünden sich hitzige Debatten darüber, ob in den Kletterschuh eine Socke gehört oder nicht. Dabei ist die Antwort darauf ganz einfach: Sie lautet JEIN.

Hilfe zur Selbsthilfe

Einen Beitrag, der so anfängt, kannst Du nicht ernst nehmen? Schade, denn dann entgehen Dir ein paar wichtige Infos. Zum Beispiel die, warum es bei der Socken-Frage kein Hopp oder Top bzw. kein Pro oder Contra gibt, sondern allenfalls eine Menge Für und Wider – aus denen Du Deine persönlichen Favoriten herauspicken und neu mischen kannst.

Tatsächlich können auch wir keine eindeutige Antwort geben; zumindest aber werden wir das Problem von mehreren Seiten beleuchten, damit Du das gute Gefühl hast ernst genommen zu werden und allein entscheiden kannst, ob Du Socken im Kletterschuh trägst oder nicht.

Mit dem Schuh auf Du und Du

Doch bevor wir einen Blick ins Innere Deiner Kletterschuhe wagen, betrachten wir sie doch einmal von außen. Ebenso gut wie den Sinn von Socken könntest Du nämlich auch den Nutzen der Schuhe selbst hinterfragen. Ganz sachlich betrachtet sind sie eher hinderlich als nützlich, denn sie mindern das Gespür für den Untergrund und engen Dich in mehrfacher Hinsicht ein.

Dennoch kommen nur wenige auf den Gedanken, barfuß zu klettern. Ein guter und sorgfältig ausgewählter Schuh wirkt nämlich keinesfalls einschränkend – sondern unterstützend, stabilisierend und wärmend. Er schützt Deine Füße vor Verletzungen und gibt ihnen den nötigen Grip. Zudem gleicht er aus, was Deinem Körper im Laufe der Evolution abhanden gekommen ist: Spannung und Druckfestigkeit.

Damit das funktioniert, sind Kletterschuhe „wie eine zweite Haut“ gearbeitet. Ihr Material und ihr Schnitt gewährleisten, dass Du die Bodenbeschaffenheit erspürst und Halt findest als gäbe es nichts zwischen Dir und dem Untergrund. Das wiederum setzt eine optimale Passform der Schuhe voraus – für die es nur einen Garant gibt: das Anprobieren.

Wichtig: Größe und Verschlusstechnik

Die alte Weisheit, Kletterschuhe mindestens zwei Nummern kleiner zu kaufen als gewöhnliche Fußbekleidung ist längst überholt. Die Größenangaben der Artikel berücksichtigen den körpernahen Anspruch bereits. Das ist ähnlich wie bei Schwangerschafts-Mode, die ebenfalls nach der üblichen Konfektionsgröße gewählt wird statt frei Schnauze aus der Plus-Size-Abteilung. Und ähnlich wie hierbei gibt es bei Kletterschuhen die Möglichkeit zur Nachregulierung.

Der Verschluss erlaubt es Dir, den Schuh Deinen individuellen Bedürfnissen anzupassen. Je nach Tagesform oder Belastung kann sich ein Weiten oder „Nachspannen“ erforderlich machen. Schnür-Systeme sind in dieser Hinsicht präziser und effektiver als Klettverschlüsse oder Schlupfschuhe. Sie bringen auch ein leicht geweitetes Modell wieder in Form.

6 gute Gründe, sich beim Klettern auf die Socken zu machen

  1. Womit wir zum ersten und häufigsten Grund kommen, Socken in die Kletterschuhe zu ziehen. Mit jedem Gebrauch wird das Material etwas mehr gedehnt und passt sich der Fußform immer weiter an. Im Idealfall folgt es den anatomischen Vorgaben soweit, dass der Schuh unverwechselbar wird, weil er exakt Deinen Fuß abbildet. Oft genug aber ist es der entscheidende Millimeter zu viel, den das Material nachgibt. Dann können Socken für Ausgleich sorgen und den Schuh wieder am Fuß „verankern“.
  2. Hand in Hand damit geht ein weiterer Beweggrund für Socken im Kletterschuh. Das Weiten des Materials ist auf natürliche Gegebenheiten zurückzuführen: Körperwärme und Feuchtigkeit. Mitunter führen diese beiden Komponenten jedoch zu einem unerwünschten Nebeneffekt. Beginnt der Fuß im Schuh zu schwitzen, wird es rutschig. Das Gefühl für den Untergrund geht verloren und wird von einem unangenehmen Empfinden begleitet, welches das Klettern zusätzlich stört. Socken fangen den Schweiß dort ab, wo er entsteht und halten das Innere des Schuhs trocken.
  3. Eng mit der Schweißbildung ist die Gefahr von Fußpilz verbunden. Feucht-warmes Klima ist ein idealer Nährboden für Kleinstlebewesen, die den Säureschutzmantel der Haut angreifen und in tiefere Gewebsschichten vordringen können. Hier verursachen sie Juckreiz und Entzündungen – und öffnen weiteren Erregern Tür und Tor. Ein Umstand, der sich durch eingezogene Socken leicht verhindern lässt und der langwierigen Behandlung von Fußpilz vorbeugt.
  4. Ein fast ebenso gefürchteter Faktor beim Barfußtragen von Kletterschuhen ist die Geruchsbildung. Auch sie ist ein Nebeneffekt des Fußschweißes, der sich durch Socken eindämmen lässt. Allerdings gilt hier Dasselbe wie bei der Prophylaxe von Pilz-Erkrankungen: Liegt die Ursache außerhalb der Kletterschuhe, nutzen auch Socken nichts. Wenn die Erreger oder die Duftmoleküle „eingeschleppt“ werden, leiden die Füße sowohl bekleidet als auch nackt.
  5. Apropos: Selbstverständlich gibt es auch den wohl profansten Grund, Socken in die Kletterschuhe zu ziehen – das Bedürfnis nach Wärme. Es greift vor allem bei Alpin-Sportlern oder dann, wenn in der bevorzugten Kletter-Region Tieftemperaturen herrschen. In eng sitzenden Schuhen kann sich kein Luftpolster bilden, das die Füße wärmt, so dass die Zehen leicht frieren. Da kalten Gliedmaßen das Gespür für den Untergrund fehlt, empfehlen sich bei bestimmten Höhen- oder Wetterlagen unbedingt Socken in den Kletterschuhen.
  6. Last but not least geben manche Sportler an, sich vor Verfärbungen schützen zu wollen. Das ist einerseits verständlich; andererseits aber auch eine umgekehrte Schlussfolgerung. Hochwertig verarbeitete Schuhe dürfen niemals abfärben – ganz gleich, für welchen Zweck sie bestimmt sind. Weisen Deine Füße nach dem Klettern unerwünschte Muster auf, solltest Du die Qualität der Ausrüstung hinterfragen statt mit Socken gegenzusteuern.

Jedem Tierchen sein Plaisierchen

Doch so individuell und nachvollziehbar die Beweggründe für Socken beim Klettern auch sind: Unter Profis gilt jede zusätzliche Lage zwischen Fuß- und Schuhsohle als No-Go. Sie wollen buchstäblich eins werden mit der Wand und diese in all ihren Facetten erspüren. Dabei vergessen sie oft, dass ihnen ganz anderes Equipment zur Verfügung steht als Anfängern, Laien oder Hobby-Kletterern. Ein Großteil der Erfahrung, die sie haben, beruht auf „Learning by doing“ – und den Fehlern, die dabei entstehen.

Zweifellos ist Gefühl beim Klettern das A und O; es erstreckt sich aber auch auf das Wohlbefinden. Wenn Du Dich MIT Socken sicherer – weil trockener, besser geschützt oder anderweitig gut ausgerüstet – fühlst, dann trage sie. Gerade zu Beginn des Trainings gibt es so viele Dinge zu beachten, dass Du Dir um Fußschweiß, kalte Zehen oder ähnliches keine Gedanken solltest machen müssen. Das Bedürfnis mehr zu spüren kommt mit zunehmender Sicherheit und macht die Frage nach Socken im Kletterschuh irgendwann überflüssig.

Auch ohne Socken gut zu Fuß

Hast Du Dich aus persönlichen Gründen GEGEN Socken im Kletterschuh entschieden, werden die nachfolgenden Tipps hilfreich sein. Sie zielen darauf ab, das zu bekämpfen, was Socken-Befürworter vermeiden wollen: Gerüche, Keime und vorzeitigen Verschleiß.

Wasche Deine Füße vor jeder Klettertour mit einem milden rückfettenden Produkt und trockne sie anschließend gründlich mit einem Handtuch oder einem Föhn – vor allem in den Zehenzwischenräumen.

Trage danach Puder bzw. Deocreme oder -spray auf. Achte hierbei auf spezielle Fußpflege-Produkte, denn die Schweißdrüsen der Füße arbeiten nach einem anderen Prinzip als die übrigen Partien des Körpers.

Lass Deine Kletterschuhe nach jedem Gebrauch gründlich trocknen und auslüften. Weite dazu die Einstiegsöffnung so gut es geht und stopfe den Fußbereich mit saugfähigem Papier aus. Vergiss aber nicht, es nach kurzer Zeit wieder zu entfernen! Anderenfalls wirkt es wie ein Feuchtigkeitsdepot im Schuh.

Streue Backpulver oder Natron in die Schuhe. Seine basische Zusammensetzung neutralisiert die Säure des Schweißes und wirkt Geruchsbildung entgegen.

Pflege Deine Füße nach dem Klettern in gleicher Weise wie zuvor. Massiere zusätzlich einige Tropfen Teebaumöl in die Haut ein. Es wirkt fungizid und antibakteriell, so dass Erreger schlechte Chancen haben, ihr Werk aufzunehmen.

Reinige Deine Kletterschuhe in regelmäßigen Abständen mit warmem Seifenwasser. Wenn Du sie nicht komplett eintauchen willst, behandle den Innenraum mit einem Lappen bzw. einer Hand- oder Zahnbürste. Zum gründlichen Nachtrocknen eignen sich Tücher oder Papierbögen, die Du immer wieder wechselst.

Für den Transport oder zur Aufbewahrung empfehlen sich sogenannte Boot Bananas – speziell geformte Deo-Kissen, die mit feuchtigkeitsbindendem Salz und Aromastoffen gefüllt sind. Sie verfärben sich durch jede Benutzung etwas mehr und zeigen so ihre maximale Gebrauchsdauer an.

Nach ihrem Einsatz im Schuh musst Du die Boot Bananas über einer Wärmequelle gut durchtrocknen lassen und anschließend in einem luftdicht schließenden Plastikbeutel aufbewahren. Anderenfalls ziehen sie die Feuchtigkeit der Umgebungsluft an und werden unbrauchbar.

Augen auf beim Socken-Kauf!

Nichtsdestotrotz solltest Du bei der Auswahl sehr umsichtig sein. Wie Du erfahren hast, sind Socken beim Klettern kein modisches Gimmick, sondern ein Tribut an die Passform, die Gesundheitssorge, die Hygiene und die Sicherheit. Um diesen Aspekten gerecht zu werden, müssen Kletter-Socken ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Zum einen müssen sie natürlich perfekt anliegen. Falten können Druck- oder Scheuerstellen verursachen und die Passform der Kletterschuhe beeinträchtigen.

Gleiches gilt für zu dickes Material. Die optimale Socke für den Kletterschuh ist dünn wie eine Feinstrumpfhose und schmiegt sich nahtlos an den Fuß an.

Dabei darf es sich jedoch keineswegs um feuchtigkeitsbindendes Gewebe handeln. Klassische Baumwolle ist zum Klettern denkbar ungeeignet. Im Idealfall greifst Du auf den regulierenden Naturstoff Seide oder spezielle Funktions-Strümpfe zurück.

Achte darauf, dass sie kein einschneidendes Bündchen haben; trage aber auch keine Socken im Sneaker-Stil. Sie könnten durch die Belastung des Zehenbereiches über die Ferse in den Schuh hineinrutschen.

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